Micronaut One (ZX Spectrum, 1987)

Vielleicht liegt das ja daran, dass mir so ein Gerät nie in freier Wildbahn begegnet ist, aber ich fand den Spectrum immer irgendwie ein bisschen seltsam. Mit seinen berüchtigten Microdrives oder Alternativen wie dem Wafadrive, den Beschränkungen der Farbauswahl im Grafikmodus (“attribute clash“), dem fehlenden Joystick-Interface, für das es anscheinend verschiedene inkompatible Nachrüstmöglichkeiten gab, lag der zumindest für mich immer so ein bisschen abseits des Gewohnten. Irgendwie britisch-exzentrisch eben.

Möglicherweise ist das ja der Grund, dass ich mit emulierten Spectrum-Spielen bisher nicht so wirklich viel Spaß hatte. Trotzdem habe ich mich entschieden, einen neuen Versuch zu starten – und zwar mit Micronaut One von Pete Cooke. Das ist ein Name, der wohl den meisten, die sich mit Spielen für 8-Bit-Home Computer beschäftigen, bekannt sein dürfte – ich sage nur Tau Ceti.

In Micronaut One bewegt sich der Spieler durch ein Gangsystem innerhalb eines gigantischen Computers, mit dem Ziel, die Parasiten, die sich dort eingenistet haben, zu erledigen. Dieses Ungeziefer, genannt Scrim, sind nicht einfach irgendwelche Bösewichte zum Abknallen – das wäre zu einfach. Nein, die Viecher durchlaufen einen Entwicklungszyklus: Aus Eiern schlüpfen Larven, die durch die Gänge kriechen und sich zu ausgewachsenen Scrim entwickeln, die an fliegende Quallen erinnern. Diese spinnen Netze, die die Gänge blockieren und legen neue Eier.

Micronaut One

Ich verfolge eine Scrim-Larve

Als Kammerjäger habe ich einen recht flotten Flitzer mit eingebautem Elektroschocker zur Verfügung, um damit durch die Gänge  zu düsen auf der Suche nach Scrim. Die Waffe lässt allerdings einiges zu wünschen übig: Den Eiern kann man damit überhaupt nichts anhaben, die Larven lassen sich zwar damit beseitigen, benötigen aber so viele Treffer, dass der Energievorrat meines Gefährts sehr schnell aufgebraucht ist. Die ausgewachsenen Scrim gehen zwar schneller kaputt, sind dafür aber auch selbst ziemlich fix.Das ist lästig, weil mein Schocker nur auf relativ kurze Entfernung überhaupt Wirkung zeigt. Und gegen die Netze, die die Scrim ab und zu quer über die Gänge spinnen, habe ich noch überhaupt kein Mittel gefunden. Ich komme dort dann einfach nicht mehr durch und muss mir einen anderen Weg zu meinem Ziel suchen.

Aber das ist noch längst nicht alles: Der Computer, in dessen Innerem ich mich bewege, wird auch zunehmend instabil. Um etwas dagegen zu tun, muss ich Energie zwischen verschiedenen im Ganglabyrinth verteilten “Energy Transfer Units” (= E.T.U.s) hin und her übertragen mit meinem Fahrzeug als Zwischenspeicher, so dass das Energielevel überall immer im grünen Bereich bleibt.

Micronaut One

Im Anflug auf eine E.T.U.

Die Orientierung innerhalb des Computers ist nicht einfach, denn es sieht wirklich alles gleich aus. Immerhin gibt es eine Karte, bei der man auch Marker setzen kann, um das nächste Ziel zu kennzeichnen. Ein richtiges Navi ist das aber nicht, ich muss trotzdem bei jeder Abzweigung wieder auf die Karte schauen, um mich nicht zu verfahren.

Micronaut One

Energie-Management

Technisch ist das Ganze wirklich sehr gut gemacht. Alle Funktionen meines Gleiters, die über Bewegen und Schießen hinausgehen, werden über eine Menüleiste mit Pull-Down-Menüs ausgelöst. Das funktioniert wirklich sehr gut. Die 3D-Grafik ist sehr fix und flüssig, wie man schön im Video sieht:

Das Spielgeschehen selbst kann mich allerdings weniger begeistern. Die Suche nach dem Weg durch die Korridore ist lästig und nervtötend und viel zu oft wird mir der Weg durch ein Netz versperrt. Gegen die Scrim komme ich so gut wie nicht an, weil ich sie ständig zum falschen Zeitpunkt während ihres Entwicklungszyklus erwische. Außerdem vermehren die sich anscheinend wie verrückt. Meister Cooke hat hier wirklich keine Mühen gescheut, mir Knüppel zwischen die Beine zu werfen, denn nichts, was ich tun will, gelingt ohne größere Probleme. Deshalb werde ich jetzt lieber wieder etwas anderes spielen…

Micronaut One

Die Karte von Level 1

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s